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Kopflos aus dem Grab: die herrschaftliche Pferdebestattung eines Merowingerfürsten wird präpariert.

Bei Ausgrabungen am „Homerich“ im saarländischen Reinheim wurde 2007 ein großer Adelsgrabhügel der späten Merowingerzeit freigelegt. Die Hauptgrabkammer des Verstorbenen war beraubt. Im direkten Umfeld des im Durchmesser 18 m messenden Grabmonuments aus der 2. Hälfte des 7. Jh. n. Chr. fand sich jedoch ein äußerst seltener und spektakulärer Fund: eine weitere Grabgrube mit vier geköpften Pferden, sowie zwei großen Hunden.

Eine solch wertvolle Beigabe – Pferde und Jagdhunde waren gesellschaftliche Statussymbole – deutet auf eine hochrangige Persönlichkeit hin und gilt europaweit als einzigartig für das Merowingerreich des 7. Jahrhunderts. Bei der Ausgrabung konnten die Tierskelette sorgfältig dokumentiert, geborgen und zur Konservierung und Analyse in das Depot des saarländischen Landesdenkmalamtes verbracht werden.

 

Gegenwärtig findet in der dortigen Restaurierungswerkstatt eine Aktion der besonderen Art statt: Aus den Knochenfunden wird ein Großpräparat entstehen, damit der ungewöhnliche Fund zukünftig auch in Ausstellungen öffentlich gezeigt werden kann. Dazu wurde eine Platte aus ultraleichtem Spezialmaterial in Größe der Grabgrube (3,5 x 1,5 m) angefertigt, mit Gewebe kaschiert und mit einem Sandbewurf versehen als Montagegrund für die Knochen. Darauf wurden in mehreren Tagwerken die Skelette der sechs Tiere wieder wie in Fundlage ausgelegt – mit fachlicher Unterstützung von zwei Tierärzten für Hund und Pferd, einer Tierosteopathin und einem Bereiter, damit alle Knochen anatomisch korrekt verortet werden. In Folge werden die Knochen von der archäologischen Restauratorin befestigt, sodass sich das komplexe 3D Knochen-Puzzle in ein dauerhaftes Exponat für museale Präsentationszwecke verwandelt, das den saarländischen Sammlungsbestand zur Merowingerzeit um ein spektakuläres und einzigartiges Objekt bereichert.

 

PREMIERE: Zum Europäischen Tag der Restaurierung am 11. Oktober 2020 bietet das Landesdenkmalamt in Kooperation mit dem Museum für Vor- und Frühgeschichte einen exklusiven Blick hinter die Kulissen. Als Premiere ist bei einem Rundgang durch die archäologische Restaurierungswerkstatt erstmalig dieses ungewöhnliche Präparat öffentlich zu sehen. Restauratoren und Archäologen erklären den spannenden Weg von der Bergung aus dem Grabungsloch bis zum fertigen Großpräparat.

Besichtigung nur mit Führung möglich um 11/13/15 Uhr. Treffpunkt: Zechenhaus Reden (Haupteingang), Am Bergwerk Reden 11, Schiffweiler (OT Landsweiler-Reden). Aufgrund der Corona-Beschränkungen ist die Teilnehmerzahl begrenzt, sowie eine Voranmeldung erforderlich über den Besucherservice des Museums für Vor- und Frühgeschichte, Tel. 0681/9964.234 oder service(at)saarlandmuseum.de (bis 9.10.2020).

Details

Datum:
11. Oktober 2020
Zeit:
11:00 - 17:00
Eintritt:
Kostenlos
Veranstaltungskategorie:
Veranstaltung-Tags:

Veranstaltungsort

Landesdenkmalamt des Saarlandes
Zechenhaus, Am Bergwerk Reden 11
Schiffweiler, 66578
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Telefon:
0681/501-2480

Veranstalter

Landesdenkmalamt des Saarlandes in Kooperation mit der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz